Ein Dach, das bis zur Wiese reicht, zwei steile Giebel, sonst nichts: Das Nurdachhaus erkennt man sofort. Viele verbinden es mit Ferien, Bergen und Wald. Es ist aber auch eine ernsthafte Bauform, die Platz sparsam nutzt und in Holz besonders gut funktioniert. Wer ein Nurdachhaus bauen will, sollte die Stärken kennen – und genauso die Punkte, an denen die Form Kompromisse verlangt.
Wir haben Nurdachhäuser in Holzmassiv gebaut, unter anderem in Kirchberg und in Winzendorf. Aus diesen Projekten und aus der Fachliteratur haben wir zusammengetragen, was Sie vor der Planung wissen sollten.
BauNetz Wissen beschreibt das Nurdachhaus als Gebäude, meist mit Satteldach, bei dem das Dach bis zum Boden reicht. Unter der Traufe gibt es keine sichtbaren Seitenwände. Die einzigen senkrechten Außenflächen sind die beiden Giebelseiten. Auch Pyramidenformen, bei denen alle Außenflächen geneigt sind, zählen dazu. Besonders häufig findet man die Bauweise bei Ferienhäusern.
Im Englischen heißt die Form „A-Frame“, weil der Querschnitt aussieht wie ein großes A. Der Architekturhistoriker Chad Randl hat ihr ein ganzes Buch gewidmet. Er beschreibt das A-Frame als prägende Form der amerikanischen Freizeithäuser nach dem Zweiten Weltkrieg. Wer am Wochenende in die Berge oder an den See wollte, schätzte das Haus, weil es einfach und günstig zu bauen war und die steile Dreiecksform außen wenig Pflege brauchte. Baupläne und Bausätze machten die Form so populär, dass zehntausende entstanden. Den Höhepunkt datiert Randl auf die Jahre 1962 bis 1972.
Eine Form, die so konsequent ist, hat auch Grenzen. Wir sagen sie lieber vorher.
Dachschrägen und Stellfläche. Die Wand ist im Nurdachhaus schräg. Ein Schrank, ein Regal oder ein hohes Fenster passt nur dort, wo der Raum hoch genug ist. Unter der Schräge bleibt ein Streifen, den Sie zwar betreten, aber kaum möblieren können. Das betrifft vor allem die Ränder des Grundrisses.
Wohnfläche ist nicht Grundfläche. Die Grundfläche eines Nurdachhauses wirkt auf dem Plan oft großzügig. Nutzbar im Alltag ist aber nur der Teil mit ausreichender Raumhöhe. Achten Sie bei jeder Flächenangabe darauf, ob die gesamte Bodenfläche gemeint ist oder nur der Bereich, in dem Sie aufrecht stehen und Möbel stellen können.
Ein bewährtes Mittel dagegen ist der Kniestock, auch Drempel genannt: eine niedrige Wand an der Traufe, auf der das Dach aufliegt. Laut BauNetz Wissen lässt sich der Dachraum damit wesentlich besser nutzen. Unsere Nurdachhäuser in Kirchberg und Winzendorf haben genau solche niedrigen Seitenwände aus Brettsperrholz. Das Dach reicht dadurch nicht ganz bis zum Boden, sondern endet knapp darüber. Der Raum gewinnt an den Rändern nutzbare Höhe, die Form bleibt erhalten.
Große Dachfläche. Was beim normalen Haus Wand ist, ist hier Dach. Die Dachfläche ist entsprechend groß und muss gedämmt, abgedichtet und eingedeckt werden. Das wirkt sich auf Material und Aufwand aus, und das Dach ist dem Wetter auf der ganzen Fläche ausgesetzt.
Belichtung. Fenster gibt es an den Giebeln oder als Dachfenster in der Schräge. Die Räume im Giebel bekommen viel Licht, Räume in der Tiefe des Hauses weniger. In Kirchberg haben wir die Giebelfront mit Glastür, Fenstern und dreieckigen Glasflächen in den Ecken geöffnet. In Winzendorf sitzt ein Dachfenster in der schrägen Massivholzfläche.
Schneelast. Wie viel Schnee ein Dach in Österreich tragen muss, regeln die ÖNORM EN 1991-1-3 und ihr nationaler Anhang ÖNORM B 1991-1-3. Die Schneelast am Boden hängt von der Lastzone und der Seehöhe des Standorts ab. Auf dem Dach kommt der sogenannte Formbeiwert dazu, der von Dachform, Schneeverwehung und Dachneigung beeinflusst wird. Nach dem Eurocode sinkt der Formbeiwert bei Sattel- und Pultdächern ab 30 Grad Neigung und ist ab 60 Grad null – vorausgesetzt, der Schnee kann ungehindert abrutschen. Hält ein Schneefanggitter den Schnee zurück, fällt dieser Vorteil weg. Und der abrutschende Schnee landet direkt neben dem Haus, beim Nurdachhaus also knapp neben Eingang und Terrasse. Die genauen Werte für Ihren Standort berechnet die Statik.
Ein Nurdachhaus ist leicht und braucht nicht zwingend einen Keller oder eine Betonplatte. Zwei unserer Projekte zeigen zwei Wege:
Welche Gründung für Ihr Grundstück passt, hängt vom Boden, vom Gelände und von den Lasten ab. Das klären wir mit der Statik im eigenen Haus.
Der Ablauf aus unseren Projekten in Kirchberg und Winzendorf:
Weil die Elemente nach Plan vorgefertigt werden, geht die Montage vor Ort zügig. Was das Holz im Vergleich zu anderen Baustoffen kann, lesen Sie im Beitrag Holzhaus oder Massivhaus.
Ein Nurdachhaus ist ein Gebäude wie jedes andere. Nach der NÖ Bauordnung brauchen Neu- und Zubauten von Gebäuden grundsätzlich eine Baubewilligung. Zwei Punkte sind bei dieser Bauform besonders interessant:
Das ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechtsberatung. Was für Ihr Grundstück gilt, entscheidet die Baubehörde der Gemeinde. In unserer Planung übernehmen wir Einreichung und Behördenkontakt.
Fazit: Das Nurdachhaus ist eine ehrliche, einfache Form mit viel Charakter. Es passt gut, wenn Sie kompakt wohnen, Holz sehen und einen hohen Raum unter dem First genießen wollen. Wenn Sie jeden Quadratmeter voll möblieren müssen, rechnen Sie die Fläche unter den Schrägen besonders genau.
Ein Haus, meist mit Satteldach, bei dem das Dach bis zum Boden reicht. Sichtbare Seitenwände gibt es nicht, senkrecht sind nur die beiden Giebelseiten.
Die Bauform gilt als unkompliziert, und eine einfache Form hält Planung und Konstruktion schlank. Ob das Haus am Ende günstiger ist, hängt aber von Größe, Ausstattung und davon ab, wie viel nutzbare Fläche Sie brauchen. Unter den Schrägen geht Stellfläche verloren, und die große Dachfläche muss eingedeckt werden.
In Niederösterreich brauchen Neubauten von Gebäuden grundsätzlich eine Baubewilligung. Was in Ihrem Fall gilt und ob der Bebauungsplan Vorgaben zur Gestaltung macht, entscheidet die Baubehörde der Gemeinde. Die Einreichung übernehmen wir auf Wunsch.
Nicht unbedingt. In Kirchberg steht unser Nurdachhaus auf Schraubfundamenten aus verzinktem Stahl, in Winzendorf auf einer Bodenplatte aus Massivholz-Elementen. Welche Gründung passt, hängt vom Boden und vom Projekt ab und wird statisch nachgewiesen.
Der Kniestock, auch Drempel genannt, ist eine niedrige Wand an der Traufe, auf der das Dach aufliegt. Er hebt das Dach an und macht den Raum darunter besser nutzbar. Beim Nurdachhaus übernehmen niedrige Seitenwände diese Aufgabe.
Giebel aus Brettsperrholz, ein Dach bis fast zum Boden, viel sichtbares Holz: So bauen wir Nurdachhäuser. Sehen Sie sich die Bauweise und unsere Projekte an.


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